Sonntag, 4. März 2018

Reha 2.0

So eine Reha tut uns allen gut.






Nur Haut und Haare sind genervt, jeden Tag werden sie strapaziert mit Moor und Wasser.
Bewegungsbad, Krafttraining, Kneippsche Güsse, Sprudelbad, Massagen, Rotlicht, Gymnastik, Nordic Walking… es ist ein einziges Um- und Anziehen.
Die täglichen Kneippschen Schenkelgüsse sind der Hammer und angeblich hautstraffend :-)


Der Frühsport bei minus 7 Grad ist schon arg gewöhnungsbedürftig, ich hab ihn gleich abgewählt  :-)))))))))))))))))))))))))))


An den Abenden und Wochenenden tun wir uns dann natürlich was Gutes.
Wir versuchen uns z.B.an Yoga oder Aquarellmalerei, nutzen das Kino- und Vortragsangebot. Wir waren zur Weinverkostung und Besichtigung der ortsansässigen Mineralquellen- Fabrik.

 
Und an den Wochenenden?
Wer immer noch nicht genug von Wasser hat, kann zum "Wonnemar" laufen.
Flohmärkte , Riesa mit dem Nudelmuseum, Meissen mit seinem Dom , Dresden…………………
die Autobesitzer wollen gerne mal ihre Wägelchen bewegen ……





 
Und so kommen alle natürlich auch gerne in den Genuss von lecker Speisen, die wohl den kritischen Blick der Diätassistentinnen nicht bestehen würden …..







und Vanille- Eis mit Kürbiskernöl ...... mhhhhhhh.....

 
Ja, und nun haben wir auch noch eine Verlängerungswoche geschenkt bekommen :-)
Gerne doch :-)
Ich glaub, man sieht's mir an....................





                                                                    passt auf euch auf :-)

Reha 1.0

Warum bin ich auf Reha? Schmerzen? Fibromyalgie? Was ist das?
Krank sehe ich ja nun nicht aus, bekomme ich immer wieder zu hören.
Spätestens dann möchte ich heulen und dem Gegenüber sagen, was für ein Arsch er doch ist. Er wird mich nicht verstehen, kann nicht in mich hinein schauen. Er weiß nicht, dass ich 90 Prozent meiner Kraft brauche, um ich zu sein.
Und die restlichen paar Prozent sind fix verbraucht.
Manchmal bittet mich jemand, ihm zu erzählen, was mit mir los ist.
Und dann nehme ich ihn mit auf einen Tagesausflug meines Körpers : 

 
Ich wache auf und fühle mich, als hätte man mich die ganze Nacht mit einem Vorschlaghammer bearbeitet. An guten Tagen ist es manchmal auch nur ein Hämmerchen. Aufstehen geht erst mal nicht. Alles ist steif und einzementiert. Wenn es ganz schlecht läuft, lasse ich mich seitlich aus dem Bett purzeln. So auf dem Boden liegend, merke ich schnell, wie doof die Idee war. Es dauert, bis ich meine morgendliche Toilette beginne. Ich kann mich manchmal kaum über meine geschwollenen Tränensäcke hinweg sehen. Frühstück. Mir zittern die Oberarme, ich kann die Kaffeekanne kaum tragen. Trinke mit beiden Händen, weil ich die Finger nicht richtig bewegen kann. Schon seit dem Aufwachen fährt jemand mit einem Matchbox Auto auf meinen Handrücken hin und her. Die Räder bohren sich in die Haut. Noch schlimmer ist der Gesichtsschmerz. Das Gesicht wird von einer Maske zusammen gedrückt. Haushalt? Alles Stück für Stück. Pause. Zimmer für Zimmer. Pause. Aufschreiben, was besorgt werden muss. Auto fahren geht heute eh nicht. Ich kann mich nicht konzentrieren. Im Ohr fiept es. Unter den Schulterblättern bohrt es. Der BH macht mich wahnsinnig, ab damit. Das Telefon klingelt. Ich muss mich hinsetzen, kann dem Telefonat kaum folgen, weil das Becken schmerzt und ich versuche, eine schmerzfreie Haltung einzunehmen. Dann endlich ist das Gespräch beendet. Buch? Drei Seiten gelesen. Wieder zurück geblättert. Um was geht's eigentlich? Frische Luft, raus, laufen. Schon beim Gedanken, in enge Jeans und geschlossene Schuhe zu müssen, mag ich nicht mehr. Zwinge mich. Die Luft tut  gut, das Laufen auch. 60 Minuten, ich bin durchgeschwitzt, als wäre ich nicht gelaufen, sondern gerannt. Hunger? Ja, aber ich kann das Messer zum Kartoffeln schälen nicht halten. Die Matchbox Autos fahren mit gleichbleibender Intensität. Also Nudeln. Pesto? Ich krieg das Glas nicht auf. Doch, jetzt. Stolz . Nach dem Essen aufs Sofa. Seite? Bauch? Beine hoch? Die Oberschenkel fangen an zu brennen, die Waden werden gequetscht. die Fußsohlen brennen innen drin. Die Schulterblätter auch. Aufstehen. Hausarbeit. Ohne Vorwarnung zwingt mich die Augenmigräne zur Pause. Espresso und Ruhe, dann verschwinden die Prismen vor meinen Augen wieder.
Gegen Abend wollte eine Freundin kommen, ich habe ihr abgesagt. Radio, leise Musik und der Kater neben mir. Für kurze Zeit richtig schön. Dann mache ich mich bettfertig. Die Rechnungen werde ich dann eben morgen überweisen. Nach einer Stunde gedankenlosem an die Decke starren, stehe ich wieder auf, tigere unruhig durchs Haus. Die Schmerzen im Brustkorb nerven und nun rutschen sie an den Rippenbogen synchron entlang. Die Oberschenkel brennen jetzt nicht nur Außen, sondern ringsum. Ich versuche, an was Schönes zu denken. Dussele ein und wache immer wieder auf. Hole mir noch ein Kissen, dann eine Decke, um beides kurze Zeit später aus dem Bett zu schieben. Weit nach Mitternacht falle ich in einen traumlosen Schlaf, gegen 4Uhr kann ich vor Schmerzen nicht mehr liegen. Ich brauche wieder ewig, bis ich erneut einschlafe, um dann morgens wie gerädert aufzuwachen.
Und alles beginnt von vorne. 

 
Mein Körper spielt mit mir. Ich kann es nicht beeinflussen. Ich kann aber dafür jeden einzelnen Schmerz, jeden Muskel, jedes Nervenende spüren. Das kann nicht jeder. 
 
Und es gibt noch viel schlimmere Tage und Nächte. Fallender Luftdruck? Aufkommender Sturm? Zäher Nebel? Ich brauche keinen Wetterbericht → ich spüre Wetter.

Und dann gibt es die guten Tage, da lässt mein Körper mich gewinnen. Manchmal gönnt er mir dieses Glück sogar für zwei oder drei Tage am Stück. Dann vergesse ich die Folgen, die mit diesen Schmerzen zusammen hängen:
Ich bin nicht belastbar, was in dieser Gesellschaft ja schon ein Makel ist.
Ich bin nur noch selten pünktlich, was für mich selbst ein Problem ist.
Ich kann kaum planen, mich verabreden, da ich nicht weiß, wie es mir gehen wird.
Ich muss eigentlich in den Süden auswandern, aber auch dort gibt es Wetter.
Ich bin unkonzentriert, weil ich mich um meinen Körper kümmern muss.
Ich bin abweisend, weil manchmal jede Umarmung die Schmerzen verstärkt.


Aber ich bin stolz, dass ich es aushalten kann. Ich ertrage es, als Hypochonder oder mit einer Macke abgestempelt zu werden.
Ich bin dankbar, dass ich nicht daran sterben werde.
Ich freue mich, über jeden Tag, an dem die Schmerzen weniger sind.
Meine Gläser sind immer voller, als leerer.
Aber ich bin manchmal keine gute Ehefrau, Mutter und Freundin, weil ich einfach meine ganze Kraft für mich brauche.
Und das tut mir dann richtig weh.